Sparen beim Einkaufen

Sparen beim Einkaufen – Vor dem Gang in den Supermarkt Einkaufszettel schreiben – Spontaneinkäufe gehen ins Geld
Auf der Arbeit hat es mal wieder länger gedauert. Und am Wochenende will man die freie Zeit nicht an der Supermarktkasse verplempern. Wer dem Einkauf aber immer nur ein paar Minuten nach Feierabend einräumt, gibt langfristig gesehen mehr Geld aus und ernährt sich weniger gut, sagen Verbraucherschützer.

Ein gut überlegter Einkaufszettel und eine ruhige Hand helfen am Lebensmittelregal, wirklich nur das einzukaufen, was auch wircklich gebraucht wird. Denn sonst landen sehr viele überflüssige Artikel im Wagen.
„In fast jedem Supermarkt gibt es heute gezielte Beeinflussungsstrategien für alle Sinne“, sagt Silke Schwartau, Ernährungsreferentin der Verbraucherzentrale Hamburg. Werbepsychologen, Designer und Marketingexperten würden am Aussehen der Supermärkte arbeiten: Extra große Einkaufswagen sorgen dafür, dass die Kunden mehr einpacken als sie brauchen. Und häufig benötigte Milchprodukte finden sich erst am Ende des Marktes, damit möglichst viele Kunden möglichst viele Regale passieren.
Hintergrundmusik und wohlriechende Duftstoffe, die über „Aromasäulen“ oder die Klimaanlage im Markt verbreitet werden, sollen zusätzlich zum Kaufen verführen, erläutert Schwartau, die den Ratgeber „Einkaufsfalle Supermarkt“ geschrieben hat. Eine übliche Verführungsmasche sei das rötliche Licht in der Fleischtheke, das die Waren appetitlicher aussehen lässt.
„Machen Sie sich deutlich: Da soll jetzt etwas mit mir passieren“, rät Schwartau. Kunden sollten daher „einen klaren und kühlen Kopf“ bewahren – und einen Einkaufszettel schreiben. Denn Spontaneinkäufe können schnell ins Geld gehen. „Machen Sie vorher einen Check am Kühlschrank“, rät Schwartau. „Viele kaufen sonst zu viel, weil sie auf Angebote hereinfallen – und müssen dann vieles wegwerfen.“
Für wenige, aber gut organisierte Einkäufe pro Woche plädiert daher Annett Reinke: „Wer öfter geht, der begutachtet auch mehr – und kauft auch mehr“, sagt die Referentin für Lebensmittelrecht bei der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam. Arbeitnehmer, die vom Büro in den Supermarkt hetzen, sind aber auch aus einem anderen Grund schlechte Einkäufer. „Wer hungrig einkaufen geht, kauft mehr. Denn er kauft vor allem das, worauf er gerade Appetit hat.“
Es gebe außerdem Studien, die besagen, dass sich müde Kunden vom Angebot stärker beeinflussen lassen, fügt Silke Schwartau hinzu. Sie rät daher, nur wenige frische Lebensmittel wie beispielsweise Milch und Brot unter der Woche nachzukaufen. Zum Füllen der Vorratskammer sollte einmal in der Woche ein Großeinkauf eingeplant werden.

Die Grundpreise vergleichen!
„Der eine geht täglich, der andere packt einmal in der Woche das Auto voll – das ist Geschmackssache“, sagt dagegen Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin. Und zu einem dritten Ergebnis kommt eine Studie der Universität von Umea in Schweden unter 1500 Einwohnern der Stadt: Demnach gehen Lebensmittel-Großeinkäufe ins Geld. Wer seine Einkäufe auf einen Schlag erledigt, gebe mehr Geld aus als Menschen, die mehrmals wöchentlich nach Bedarf in den Supermarkt gehen.
„Bedarfskäufer“ geben demnach umgerechnet bis zu 390 Euro weniger im Jahr für Lebensmittel aus als Käufer großer Mengen. Denn gerade dann werde oft zu viel eingekauft, vermuten die Forscher. Ein Teil müsse später weggeschmissen werden. Ein Ausweg könne sein, einen Speiseplan für die ganze Woche aufzustellen und sich beim Einkauf der Mengen daran zu halten.
Die Deutschen kaufen ihre Waren des täglichen Bedarfs vor allem vor dem Wochenende ein. 43 Prozent des Wochenumsatzes für solche Produkte werden freitags und samstags erzielt, ergab eine Studie des Marktforschungsunternehmens AC Nielsen in Frankfurt im Frühjahr. Am wenigsten kaufen die Deutschen am Montag und Dienstag.
Möglicherweise ist der Wochentag aber gar nicht entscheidend – die Tageszeit dagegen schon. „Ich denke, wenn es weniger voll ist, kann man sich besser konzentrieren“, sagt Silke Schwartau. „Im Gewühl wählt man weniger genau aus.“ Annett Reinke hält das eher für eine Geschmacksfrage.
Am Supermarktregal ist nach Worten der Verbraucherschützer häufig körperliche Aktivität angebracht. Strecken und Bücken seien wichtig, um die Waren in den oberen und unteren Reihen zu begutachten. „In Greif- und Augenhöhe werden meist die Produkte mit der höchsten Gewinnspanne platziert – um Schnäppchen muss man sich selbst kümmern“, sagt Silke Schwartau.
„Die Anordnung richtet sich nach dem Bedürfnis der Kunden“, sagt dagegen Hubertus Pellengahr. „Die Produkte, die am häufigsten nachgefragt werden, werden so eingeräumt, dass der Kunde sie schnell findet. Und das sind eben häufig die Markenprodukte.“ Oder es sind die Waren, die am besten über den Tisch gehen.
Ein alter Leitspruch ist mittlerweile überholt: Großpackungen seien häufig nicht mehr günstiger als kleinere, sagt Annett Reinke. Wichtig sei bei der Suche nach der günstigsten Ware daher immer, nach dem sogenannten Grundpreis am Regal zu schauen, auf einem Schild muss der Preis der Ware pro 100 Gramm angegeben sein, so schreibt es der Gesetzgeber vor. Nur auf diese Weise werden die Preise angesichts unterschiedlicher Packungsgrößen wirklich vergleichbar.
Zeit kann man nicht kaufen. Wer selber kocht, kommt daher immer günstiger weg als derjenige, der täglich zu Fertiggerichten greift. Silke Schwartau findet, diese Entscheidung sei nicht nur eine Frage des Geldes. Es gehe auch ein Stück „mündiger Verbraucher“ verloren: „Früher wurde mehr selbst gekocht – da haben die Leute dann auch noch eine ganz andere Warenkenntnis gehabt.“

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